KIOSK ENVIRONMENT

Modell und Eröffnung

Kiosk Environment 2000

Der Kiosk als semi-transparente Installation im öffentlichen Raum.
Der Kioskkörper besteht aus transparentem Plexiglas - die Wandung ist silhouettenscheinig - die Transparenz lässt die Verschmelzung des äußeren Erscheinens - Körperoberfläche - mit dem Inhalt - Aktivität - geschehen.
Die Umgebung - beteiligt wie unbeteiligt - ist ein unausweichlicher Bestandteil des Kiosks.
Besucher und Passanten sehen einander von innen nach außen ebenso wie von außen nach innen und integrieren sich so mit der Raumskulptur. Der Raum mit Inhalt tritt - metamorphisch - in Erscheinung.
Es ist ein Versuch die Komplexität von äußerer und innerer Eigenschaft einer skulptural - räumlichen Arbeit im/mit dem öffentlichen Raum wiederzugeben.

Hr Kultur Kompakt 6. 09. 00 (Leonie Röhmling)

Trotz der Konkurrenz der 24 Stundentankstellen, Kioske, oder hoch frankfurterisch gesprochen - Büdchen, sind die besseren Schnellversorger, sie liegen meist näher und sind oft noch tatsächlich von freundlichen Menschen betrieben. Das meint auch Leonie Römling, die uns über ein Projekt informiert, das dem Kiosk den längst verdienten Aufstieg in das Reich der Kunst verschafft.
"Einer Stadt ohne Kiosk sollte man am besten den Status einer Stadt aberkennen, der Kiosk verkörpert das, was das städtische Leben wirklich ausmacht.
Die freundlichen Händler an der Ecke befreien uns von den Ketten der Ladenöffnungszeiten. Sich noch schnell eine Tüte Chips für den Fernsehabend besorgen zu können oder Zigaretten und Dosenbier, hat das Flair einer Metropole."
Diese Erfahrung machte auch C. Heier, als sie eine Stadt ohne Kioske besuchte, deren Namen wir aus Rücksicht ihrer Einwohner hier lieber nicht erwähnen möchten. Als sie dann in das mit Kiosken gesegnete Frankfurt zurückkehrte, lag es nahe die Öffentlichkeit darauf aufmerksam zu machen. Ihr Frankfurter, die ihr abends an der Trinkhalle ein Schwätzchen haltet, beachtet und achtet sie, seit froh, dass ihr sie habt.
"Ich habe einen Kiosk gewählt, nicht einen Kiosk im uns allen bekannten Sinne, sondern ich bespiele den Kiosk als Skulptur".
C. Heiers Skulptur wird etwa 13,2m² groß und 2,30 m hoch sein. Mit diesen Maßen also durchaus ernst zu nehmen. Das schnöde Büdchen wandelt sich so in einen abstrakten Begriff.
Der Baustoff ist halb durchsichtiges Plexiglas, das dem Ganzen eine nebelhafte Erscheinung gibt, Silouhettenscheinigkeit nennt C. Heier das. Gleichzeitig stellt es eine Verbindung von innen und außen dar. Durch das sehen und gesehen werden wird jeder Passant zum Beteiligten. Die Umgebung des Kiosks bekommt eine Bedeutung, er wird zum Aufmerksamkeit erregenden Fremdkörper aber nicht zum Störfaktor.
Wichtig ist auch der tatsächliche Inhalt des Kiosks, mit Wehmut erinnern wir uns an Tüten voller Brausebonbons von denen einem so herrlich schlecht wird und an Lakritzschnecken für 10pf das Stück, natürlich besteht die Hoffnung sie da wieder zu treffen, aber das wird leider nicht ganz so sein. Denn in dem Kiosk von C. Heier ist Kunst das Programm, so wird es urbane Illuminationen von J. Sauer geben, Schrift von Volker Stein und spontan Gefertigtes von Rene Römert, und dann erfüllt sich die Hoffnung doch, C. Lermer wird aus alltäglichen Kioskgegenständen Kunstobjekte fertigen, diese gestalteten Pappbecher oder Tüten machen einem erst klar, wie einfach Schönheit doch sein kann und mit wie vielen liebenswerten Gebrauchsgegenständen wir uns täglich umgeben.
C. Heier beschäftigt sich auch mit Verpackung, die sind aber mehr als nur kleine hübsche Objekte, hier wird das Plastiksäckchen zur Hopetüte."

Zur Einführung

Die Orte …

… Bornheim Mitte, Pauls Platz, Bertramswiese.

Silhouettenscheinigkeit

Transparenz

Paulsplatz und Bertramswiese

Public Space

Die Einführung

Transkription der Einführung von Dipl. Soz. Kristine Erdmann
"…und nicht nur Hopes geschaffen hat, sie hat auch ein Projekt in Gang gesetzt, das Aktionsfläche für weitere Künstler ist, in den nächsten Wochen.
Heute feiern wir die Eröffnung des Kiosk Environments. Der Kiosk wird in den nächsten Wochen durch Frankfurt wandern.
Um es vorwegzunehmen - ich erkläre jetzt nicht, was dieser Kiosk zu bedeuten hat, ich werde jetzt keine Gebrauchsanweisung zur Rezeption geben.

Wenn ich mich dem Begriff Kiosk systematisch nähere, betrachte ich zunächst den Begriff Kiosk und die Bedeutung Kiosk, die eine alltagspraktische Funktion hat, was Cornelia sehr schön in ihren Einladungen erklärt, was ein Kiosk eigentlich für eine Funktion hat, was er leistet. Das spontane Einkaufen, wenn man was vergessen hat, spontanen Gelüsten nachgeben, wenn man tagsüber etwas vergessen hat, abends kann man diese Dinge noch schnell am Kiosk kaufen.
Nicht in allen Städten gibt es Kioske. Z. b. in Wuppertal gibt es keine Kioske, und da vermisst man Kioske ganz furchtbar, wenn einem da abends um neun einfällt, dass man noch ein Bier trinken möchte oder noch etwas zu besorgen hat, muss man an eine Nachttankstelle mit dem Auto und merkt, es ist ein struktureller Mangel keinen Kiosk zu haben.
Als ich wieder in Frankfurt war viel mir auf, dass in Stadtteilen wie Bornheim, Nordend oder auch Bockenheim, Kioske eine Zäsur sind in der Architektur. Wir haben klassischerweise einen Block, eine Ecke, einen Kiosk, eine Querstraße, einen Block, eine Ecke, einen Kiosk und wieder eine Querstraße - so schön ist es in Frankfurt.
Und wenn ich mir vorstelle, dass dieser Kiosk durch Frankfurt wandert und ein Gedankenexperiment mache - wenn wir uns sehr, sehr langsam durch Frankfurt bewegten - dann würden wir auch diesem Kiosk in regelmäßigen Abständen begegnen - wir müssten langsamer sein, als er auf - und abgebaut wird.
Woher kommt das Wort Kiosk? - Es hört sich nicht besonders hessisch an, Hessen sagen auch ab einer bestimmten Promillegrenze Waasserhäussche oder Trinkhalle, Kiosk muss eben deutlich ausgesprochen werden.
Kiosk wurde im 18.Jh. Aus dem französischen Kiosque entlehnt und bedeutet offener Gartenpavillon. Ursprünglich stammt das Wort aus dem türkischen Kösk, Cornelia Heier sagt, eigentlich aus dem persischen Kušk.
Die moderne Bedeutung erfährt der Kiosk im 19 Jh., das war die Zeit, in der die Kioske in der Stadt Einzug fanden.
Also, ein Kiosk ist ein Gartenpavillon, wenn ich mir jetzt genau angucke, was ist das hier für ein Ding und was macht dieses Kiosk Environment eigentlich aus, dann merke ich schon an dem Namen, das ist keine Trinkhalle und kein Wasserhäuschen, das ist ein Kioskenvironment - das ist ein Zungenbrecher.
Wir sehen einen fliegenden Leichtbau aus Kunststoff - ein Leichtbaupavillon in Anlehnung an einen Gartenpavillon, dieser Leichtbaupavillon hat ein Fenster, was für Kioske typisch ist, in einem Kiosk dient dieses Fenster der Warenausgabe - hier können ebenfalls Waren aus dem Fenster ausgegeben werden, im Unterschied zu unserer bisherigen Kioskerfahrung fehlt aber ein Hinweis auf diese Ware. Normalerweise hängen Schilder und Plakate von Coca-Cola, Henningerbier etc.
Also wir sehen, aha - der Kiosk ist kein Kiosk.
Ein Indikator für Autonomie von Kunstwerken ist, dass sie sich vermitteln, auch wenn sie aus der Rahmung Kunst herausgenommen werden.
Ein Beispiel, ein Bild von Jackson Pollock - mit den Farbklecksen, wenn es nicht im Museum hängt, sonder in einer Druckerei auf einer Druckmaschine liegt und wir hinschauen, wissen wir es ist kein Papier mit zufälligen Farbklecksen, sondern ein Kunstwerk und so ähnlich verhält es sich mit diesem Kiosk, er steht nicht in einem Museum, sondern in einem Stadtteil wo wir in einem Radius von so 5 min. Fußweg viele Kioske finden und trotzdem wissen wir sofort es sieht aus wie ein Kiosk aber es ist ein Kioskenvironment.
Also, normalerweise werden bei Eröffnungen andere Kunstwerke herangezogen - das möchte ich nicht tun, dennoch fällt mir ein Bild ein, das ich zitieren möchte - es ist von Magritte - die Pfeife - das er gemalt hat.
Das Bild einer braunen Pfeife und unten drunter steht - çeci n’est pas une pipe - dies ist keine Pfeife - es ist eine gemalte Pfeife und das Bild trägt den Titel - das ist keine Pfeife.
Und wenn wir in der Kunstgeschichte zurückdenken haben Bilder meist einen Titel, der auf das verweist, was sie abbilden - z. B. der Mann mit dem Goldhelm, die Frau des Kardinals, Sehnsucht im Abendrot - man sieht an dem Bild, das es keine Pfeife ist, man kann auch keinen Tabak daraus rauchen, so ähnlich ist es mit diesem Kiosk - dies ist kein Kiosk, sondern ein Kioskenvironment.
Es ist kein Wasserhäuschen sonder ein Plastikhäuschen, es ist auch eine Plastik - es ist keine Trinkhalle, sondern eine Sehhalle, und zwar sehen mit - h - und das Fenster dient nicht zum Abverkauf von Kunstwerken, sonder der Inszenierung vom Abverkauf von Kunst - es hat also etwas mit der Wahrnehmung eines Kiosks zu tun und weniger mit der Funktion und auch das Licht sagt mir ganz klar, das ist nicht das Licht eines Kiosks - keine Bonbonillumination, es ist das Licht eines Environments…"

Projektförderung durch …

… das Amt für Wissenschaft und Kunst der Stadt Frankfurt, die Fa. Röhm, Herrn und Frau Reitzlein, die Fa. Steinschlag, Fritz deutschlanD e.V. und viele Freunde.