TRIPTYCHON "DER WOLF"

Kunstprojekt Eastside

In diesem Kooperationsprojekt werden Kunstwerke drogenabhängiger Menschen, die in Zusammenarbeit mit Künstlern entstanden sind, in einer gemeinsamen Ausstellung präsentiert.

Was: Jedes Jahr realisiert ein/e frankfurter Künstler*in mit Drogenabhängigen der integrativen Drogenhilfe im Rahmen der Ausstellungsreihe der Heussenstamm Stiftung "Mittendrin Outsider!" ein Kunstprojekt.
Von ende August 2017 bis ende März 2018 haben Besucher der integrativen Drogenhilfe in der Schielestraße 1 x wöchentlich mit Cornelia F Ch Heier gezeichnet, mit Graphit, Bleistift, Kohle und Rötel.

Das Thema: "der Wolf – Tagebucheintragungen".
Entstanden sind Zeichnungen und Skizzen – manche Schroff und Stark, andere verschwindend zart.
Auf einem 2 x 4 Meter großen Triptychon wurden die Zeichnungen als Chiffren für Wünsche, Vorstellungen, Fantasien, Ängste, Freuden, Neurosen, Zukunft, Vergangenheit, der Selbstwahrnehmung und der Sicht nach Außen ausgestellt.

Mittendrin-Outsider ist eine Ausstellungsreihe der Heussenstamm-Galerie. www.mittendrin-outsider.de

AUSZÜGE

Zeichnen - Unterhaltungen - Eindrücke - August 2017 - April 2018

"... weißt du, ich kann mich gerade nicht selbst um mich kümmern. Es geht einfach nicht. Gestern habe ich die Kontrolle verloren. Wieder einmal. Fünf Tage wach. Mein Körper hat Sachen gemacht…" sie beginnt, zu weinen. Mit einem Stift zeichnet sie sanft über das Papier.

"Wenn wir den größten Abstand zu uns selbst hergestellt haben, dann fühlen wir nichts mehr, oder?"

"… ich war ein Räuber, ein Betrüger, habe den Leuten (Frauen) das Geld aus der Tasche gezogen – die haben es mir gerne gegeben, die haben mich geliebt…" Auch sein Wolf landet auf Papier. Und die Zeit vergeht, unbestechlich geht’s von Stein zu Stein, Verfall und – da schwingt manchmal so eine unglaubliche geistige Geschwindigkeit, Wendigkeit und Reaktionsvermögen mit – fast unheimlich in Anbetracht der motorischen Einschränkungen. Wir unterhalten uns über Kunst, Ausstellungen.

Im Café ist viel los, es duftet nach frischem Kuchen und leckerem Essen. Die Besucher holen sich ihre Speisen, volle Teller und setzen sich gemeinsam an die Tische. Gesprächsfetzen – es geht um Mode! Um die richtige Kombination der Kleidung und der Schuhe und vor allem um die richtige Kopfbedeckung. Und schon setzt sich einer von den Besuchern zu uns an den Tisch; "Was zeichnet ihr? Wolf? Ich zeichne ein Selbstporträt, der Wolf…" Blaue Augen, roter Bart und der Hut! Der Mann hat sich (trotz zwischenzeitlicher Bewegungsstarre) gut getroffen. Und weg – die anderen plaudern noch eine Weile über Hüte und zeichnen, sie zeichnen und wischen Erlebnisse auf’s Papier.

Über den Zeichentisch hinweg wurden viele Lebensgeschichten, -ausschnitte, -anekdoten gelegt, so als wären es Zeichnungen. Manche Geschichte oder mancher Gedankengang findet sich in den Zeichnungen wider, sogar Verwerfungen. Hoffnung und Pläne und ein hohes Maß an Selbstironie, auch wenn Sie nur einen Strich sehen sollten….